Inoffizieller Community-Guide – nicht mit SolidCraft / Tangency Labs verbunden und nicht von ihnen unterstützt. Offiziell: solidcraft.io · GitHub · Doku
SolidCraft im Test: Was es gut kann und was noch fehlt
Getestete Version: v0.16.2 (Oktober 2026). Angaben zu Funktionen stammen aus dem offiziellen README und der ROADMAP; Meinungen werden zitiert und mit ihrer Fundstelle verlinkt. Diese Seite ist inoffiziell und verdient nichts an SolidCraft.
SolidCraft ist ein kostenloser, quelloffener (MIT OR Apache-2.0) parametrischer B-Rep-Modellierer in Rust mit einem Workflow im Stil von Fusion: skizzieren, Bedingungen setzen, extrudieren, verrunden, die Zeitleiste bearbeiten. Herausragend ist die Automatisierung – dieselben Befehle laufen über die Werkzeugleiste, JSON-Skripte, solidcraft-cli und einen MCP-Server für KI-Agenten. Das Projekt beschreibt sich selbst als „early but usable for simple parts“ (früh, aber für einfache Teile brauchbar). Für 3D-druckbare Teile und skriptgesteuerte Modelle passt es gut; ein vollwertiges Fusion-360-Abo mit CAM und Zeichnungen ersetzt es noch nicht.
Was heute funktioniert
Skizzieren: Bedingungen und Maße mit Anzeige der Freiheitsgrade, an Parameter gekoppelte Ausdrücke.
Parameter und Konfigurationen mit einer Zeitleiste, die ab dem ersten geänderten Feature neu aufbaut.
Baugruppen: Komponenten, Gelenke, Bewegungsstudien, Kollisionsprüfung und Masseeigenschaften (in der Roadmap noch als „in progress“ markiert).
Blech und Features für Kunststoffgehäuse.
Dateien: Export nach STEP (AP242) und IGES, Import von STEP/IGES; Netze als STL, 3MF und OBJ; Import von FreeCAD .FCStd und Rhino .3dm am Desktop.
Überall: Windows, macOS, Linux, eine Browser-App, die CLI und MCP.
Zur Testabdeckung nennt das README 75 von 76 öffentlichen Referenzteilen, die mit ihren Referenzergebnissen übereinstimmen. Den genauen Wortlaut und die aktuellen Zahlen finden Sie im README.
Offizielles Winkel-Beispiel, 60 mm.Dasselbe Modell nach einer einzigen Parameteränderung, 90 mm.
„Parameter ändern“ am offiziellen Winkel: Die Benutzerparameter width = 60 mm und thickness = 6 mm steuern die Maße des Modells (Screenshot der englischen Oberfläche).
Hat SolidCraft CAM, Zeichnungen oder Simulation?
Nein, noch nicht. Die offizielle Roadmap führt folgende Bereiche als bis auf Weiteres zurückgestellt: Netzmodellierung, T-Spline-FORM, Flächenmodellierung über den Bedarf von Volumenkörpern hinaus, PCB, Rendering, Animation, Simulation, Fertigung / CAM und 2D-Zeichnungen. Die Grundlagen für Zeichnungen sind in Arbeit (ein Export der Ansicht als DXF existiert), Zeichnungsblätter gibt es aber noch nicht. Zum 3D-Druck sagte der Maintainer auf Hacker News, dass kein Slicer eingebaut wird – stattdessen STL oder 3MF an den eigenen Slicer übergeben (so geht’s).
Reifegrad & Grenzen
Jung und schnelllebig. Viele Releases erscheinen im Abstand weniger Tage (siehe Changelog-Tracker); rechnen Sie mit Verhaltensänderungen zwischen Versionen.
Nicht signierte Installer. Windows und macOS warnen beim ersten Start (was zu tun ist).
Keine nativen Fusion-Dateien. Einen Import für .f3d gibt es nicht; Teile kommen per STEP herüber, der Verlauf geht dabei verloren (FAQ).
Grafik. Benötigt Direct3D 12 oder Vulkan unter Windows, Metal unter macOS, Vulkan oder OpenGL unter Linux; sonst kommt ein langsamerer Software-Renderer zum Einsatz.
Langfristiges Risiko. Kommentatoren auf HN fragten, ob das Projekt in fünf Jahren noch gepflegt wird – eine berechtigte Frage bei jedem jungen CAD-Programm. Offene Formate (STEP-Export) verringern die Abhängigkeit.
Was Nutzer sagen
Reddit-Threads konnten wir für diesen Test nicht abrufen; dieser Abschnitt stützt sich daher auf öffentliche Diskussionen, die wir lesen und verlinken konnten.
Hacker News – Show-HN-Thread (144 Punkte, 51 Kommentare beim Abruf am 19.10.2026). Themen: der Geometriekern, die Zukunft des Projekts, Frust mit FreeCAD MCP bei „erst skizzieren, dann extrudieren“, CAD im Browser am Arbeitsplatz und „Ok CAD is great but I want CAM“.
Hackaday – Artikel vom 17.10.2026: Kommentatoren waren skeptisch gegenüber KI-geschriebenem Code, einer lobte aber, dass sich ein Beispiel direkt in PrusaSlicer laden ließ; andere verglichen SolidCraft mit CadQuery, build123d und OpenSCAD.
Ausführlicher japanischer Test – teruemon auf note.com: noch kein direkter Ersatz für Fusion, weil CAM, CAE und 2D-Zeichnungen fehlen.
X – Linux-Nutzer begrüßen ein Werkzeug im Fusion-Stil ohne Wine (Beispiel); andere merken an, dass Baugruppen noch reifen müssen (Beispiel).
Für wen es sich lohnt
Passt gut
Maker, die funktionale Teile drucken, Linux-Nutzer, alle, die CAD per Skript oder über Claude Code / Codex steuern, und alle, denen ihre Dateien selbst gehören sollen.
Parallel testen
Fusion-360-Nutzer, die heute CAM oder Zeichnungen brauchen: in SolidCraft modellieren, Fusion für die Fertigung behalten (Vergleich).
Lieber abwarten
Teams, die zertifizierte Simulation, PDM oder Fertigungszeichnungen brauchen – nichts davon steht auf der kurzfristigen Roadmap.